Verspiegeltes Glas
Wirksam gegen UV-Strahlung, hitzeabweisend sowie als Blend- und Sichtschutz geeignet, wird verspiegeltes Glas vorwiegend in öffentlichen Gebäuden, teilweise aber auch im Wohnungsbau verwendet. Neben den funktionalen Vorteilen eröffnet Spiegelglas zahlreiche Möglichkeiten zur architektonischen Gestaltung.
Das Wichtigste in Kürze
Verspiegeltes Glas bietet einen sehr guten Sichtschutz von außen nach innen
Der hohe Reflektionsgrad reduziert Blendung durch einfallendes Sonnenlicht und schützt den Raum vor Überhitzung
Ist es im Innenraum heller als Draußen, verliert das Glas die spiegelende Funktion und wird blickdurchlässig
Herstellung von verspiegeltem Glas
Die Basis von Spiegelglas bildet Floatglas (Flachglas), wie es auch für herkömmliche Fensterscheiben verwendet werden. Um den Spiegeleffekt zu erzielen, wird das Magnetron-Sputter-Verfahren oder auch Kathodenstrahlverfahren eingesetzt. Dabei wird eine Seite der Scheibe mit Metalloxiden überzogen, meist aus Silber oder Aluminium. Ein Überzug aus Lack versiegelt die Oberfläche. Verspiegeltes Glas wird in unterschiedlichen Transmissionsgraden hergestellt, die wiederum die Stärke des Spiegelungseffekts bestimmen. Häufig angeboten werden Transmissionsgrade von 1, 12 und 20 %, Spezialanfertigungen bewegen sich im Bereich zwischen 30 und 40 %. Der niedrigste Transparenzgrad liegt bei 1 %, hier werden 52 % des einfallenden Lichts von der Spiegelschicht reflektiert. Bei 20 % Transmissionsgrad liegt der Anteil der Reflektion bei 35 %.
Blend-, Sicht- und Hitzeschutz
Durch die Bauart weist verspiegeltes Glas zum einen einen guten Sichtschutz von außen nach innen sowie einen ausgezeichneten Blendschutz auf. Auch im Hochsommer bleiben durch den hohen Reflektionsgrad die Räume kühl und eine Blendung durch das Sonnenlicht wird vermieden. Die Verwendung des Spiegelglases ist somit auch wirtschaftlich, da die Kosten für zusätzliche Sonnenschutzmaßnahmen eingespart werden. Ein weiterer Pluspunkt: UV-Strahlen werden abgeschirmt.
Spiegelglas und Wärmeschutz
Verspiegeltes Glas kann in den üblichen U-Werten für Fenster, bzw. Verglasungen hergestellt werden und bietet somit einen guten Wärmeschutz, der den geforderten Werten für Gebäude entspricht. Im Winter bringt Spiegelglas allerdings einen Nachteil mit: Durch den hohen Reflexionsgrad und dem damit verbundenen niedrigen Energiedurchlassgrad (g-Wert) können kaum solare Wärmegewinne genutzt werden. Dies schmälert die Gesamtenergiebilanz und kann zu erhöhten Heizkosten führen.
Wo wird verspiegeltes Glas eingesetzt?
Vorwiegend findet sich verspiegeltes Glas an Fassaden öffentlicher Gebäude wie Bürohäuser oder Verwaltungsgebäude. Durch die funktionalen Eigenschaften wie Blend- , UV- und Sichtschutz wird die Atmosphäre für die Mitarbeiter deutlich aufgewertet und das konzentrierte, produktive Arbeiten erleichtert. Gleichzeitig erzeugen die Fassadenverglasungen architektonisch interessante und ästhetische Effekte: Ganze Gebäudefronten werden zu riesigen Spiegeln, die die Außenwelt reflektieren und auch sehr große Gebäude leicht und luftig wirken lassen.
Im privaten Bereich dient verspiegeltes Glas vorwiegend dem Sicht- und Blendschutz, in öffentlichen Gebäuden wird es auch zur Überwachung eingesetzt, zum Beispiel im Bereich der Kasse oder in Umkleidekabinen.
Umkehreffekt bei Nacht
Am Tag bietet Spiegelglas einen ausgezeichneten, einseitigen Sichtschutz. Es ist möglich, aus dem Fenster herauszuschauen, nicht aber der Blick von außen nach innen. Am vollständigsten ist dieser Effekt, wenn das Licht auf der Einfallsseite deutlich heller ist als der Raum. Als optimal wird ein Verhältnis von 5:1 angegeben. Durch diese Funktionsweise dreht sich die Wirkung von Spiegelglas bei Nacht um: Ist es im Raum heller als Außen, zum Beispiel durch künstliche Beleuchtung, gibt das Glas den Blick in das Gebäudeinnere vollständig frei.
Vorteile und Nachteile von Spiegelglas
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| + Optimaler Sichtschutz von außen nach innen | – Geringe solare Wärmegewinne im Winter |
| + Sehr guter Hitzeschutz | – Hohe Verdunkelungseffekte im Winter |
| + Sehr guter Blendschutz | – Umkehreffekt bei Nacht und Innenbeleuchtung |
| + Tönung in verschiedenen Farben möglich | – Verbot bei Dachflächenfenstern |
Rechtliches zum Spiegelglas
Verspiegeltes Glas darf nicht uneingeschränkt angewendet werden. So ist es zum Beispiel nicht erlaubt, Dachflächenfenster zu verspiegeln. Denn durch den hohen Reflexionsgrad könnten die Sonnenstrahlen die Piloten in vorüberfliegenden Flugzeugen blenden. Problematisch, allerdings nicht verboten, ist der Einsatz zur Überwachung im öffentlichen Raum. Deshalb wird diese Glasart zum Teil auch als Spionageglas bezeichnet. So können auf der einen Seite Persönlichkeitsrechte verletzt, auf der anderen Seite hat das Unternehmen jedoch das Recht, sich gegen Diebstahl zu schützen und das Sicherheitsbedürfnis im eigenen Unternehmen zu erfüllen.
Was kostet verspiegeltes Glas?
Sollen Fenster in verspiegelter Verglasung angefertigt werden, liegt der Quadratmeterpreis für die Verglasung bei rund 200 Euro. Im Vergleich dazu kostet ein Quadratmeter Dreifach-Verglasung zwischen 125 und 170 Euro. Wie teuer ein Fenster mit verspiegeltem Glas ist, hängt unter anderem vom Rahmenmaterial, dem U-Wert, aber auch der Anzahl der bestellten Fenster ab.
Spiegelfolie statt Spiegelglas
Soll der Spiegeleffekt bei Fenstern nachgerüstet werden, kann dies über eine Spiegelfolie erreicht werden. Diese Folien sind deutlich kostengünstiger als eine verspiegelte Verglasung und bieten eine gute und preiswerte Alternative. Spiegelfolie hält etwa 5 bis 10 Jahre. Die Folien werden auf Maß zugeschnitten und anschließend auf die Außenseite der Verglasung montiert. Pro Quadratmeter Fensterfläche fallen etwa 50 Euro an.
FAQ: Häufige Fragen zu Spiegelglas
Verspiegelte Fenster sind in Deutschland grundsätzlich erlaubt, solange sie den Vorschriften zu Lichtdurchlässigkeit, Wärmedämmung und Nachbarschaftsrecht entsprechen. Einschränkungen gelten jedoch bei Denkmalschutz, Flughäfen (Blendgefahr) oder wenn sie Nachbarn stören, weshalb eine Abstimmung mit Behörden ratsam ist.
Spionglas, auch Einwegspiegel oder Spionspiegelglas genannt, ist ein spezielles Glas mit einer halbdurchlässigen metallischen Beschichtung, die es ermöglicht, von der dunkleren oder schwächer beleuchteten Seite durchzusehen, während es von der helleren Seite wie ein Spiegel wirkt. Der Effekt funktioniert nur bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und wird in Überwachungsräumen, Verhörzimmern oder für Privatsphäre eingesetzt.
Ja, verspiegeltes Glas ist lichtdurchlässig, wobei der Lichttransmissiongrad je nach Ausführung zwischen etwa 1% und 40% liegt – bei stark verspiegelten Varianten wird viel Licht reflektiert. Es lässt also Tageslicht durch, reduziert aber Blendung und Wärmeeintrag, während der genaue Wert den Spiegeleffekt bestimmt.
Nein, verspiegeltes Glas ist nicht absolut einseitig durchsehbar, sondern wirkt als Einwegspiegel nur unter bestimmten Bedingungen: Von der helleren Seite aus (z.B. bei Tageslicht von außen) sieht man durch, während die dunklere Seite (z.B. Innenraum) reflektiert wird. Bei Nacht oder gleichem Lichtverhältnis auf beiden Seiten verliert der Effekt seine Wirkung, da man dann von beiden Seiten hindurchschaut oder beide Seiten spiegeln
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